Logorrhoe Einordnung nach ICD-10

Schreib hier rein was du der Welt verkünden möchtest, aber nichts mit zwei Rädern zu tun hat

Logorrhoe Einordnung nach ICD-10

Beitragvon rooster » Sa 18. Feb 2017, 12:04

Hallo,
liebe Opfer. Hier eine schöne Beschreibung eines uns nur allzu bekannten Zustandes.
https://traurigschoenewelt.wordpress.co ... ogopathen/
Auch der im Text genannte Link zu den Vielzuhörern ist lesenswert.
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Re: Logorrhoe Einordnung nach ICD-10

Beitragvon Micha S » Sa 18. Feb 2017, 12:09

Du willst doch jetzt wohl nicht jammern , oder rumzicken?
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Re: Logorrhoe Einordnung nach ICD-10

Beitragvon rooster » Sa 18. Feb 2017, 12:36

Ei, der Daus.
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Re: Logorrhoe Einordnung nach ICD-10

Beitragvon gouranga » So 19. Feb 2017, 14:14

Wunderbar. Endlich können wir den Logorrhoetiker noch feiner differenzieren, nämlich als Logomanen und Logopathen. Es fehlt aber noch der Logocholeriker, ein Subtypus der zwar das Desinteresse des Zuhörers wahrnimmt, darauf jedoch mit unkontrollierter Wutrede reagiert, bzw. sich eines beleidigend-herablassend-diffamierenden Vokabulars bedient und/oder Lautstärke sowie Wortfrequenz steigert.

Ich habe ein entsprechendes Verhalten bei einem Patienten aus meiner Nachbarschaft beobachtet (Ossi der mir immer die selben Gechichten erzählt wenn er meine MZ sieht). Neben der der Logomanie/-pathie eigenen Symptomatik (ständige Repetition eigener Erfahrungen, Kritik an den Bösen die es früher nicht gab) ist bei fehlendem Feedback in Form von "mhmhm", "ja, das stimmt" oder "oh ja, in der DDR war gar nicht alles schlecht" zu beobachten, dass der Proband sich in seine Wut hineinsteigert. Wurde vorher nur erwähnt, dass Jugendliche in der Straßenbahn heutzutage nicht mehr für ältere Leute Platz machen, wird nun noch hinzugefügt, dass man selbst dafür noch "den Arsch voll gekriegt hätte", mit Hinweis darauf, dass in so einem Ost-Dorf ja jeder jeden kannte. Außerdem wird, obwohl seitens des Zuhörers keinerlei Kritik oder Unglaube an der Aussage geäußert wurde, dringend empfohlen "doch mal selbst mit der Bahn zu fahren", dann sehe man das ja. Zitat: "Ja, dann fahr doch mal mit der Bahn, fahr doch mal mit der Bahn, die wollen den Behindertenausweis sehen, wenn alte Leute sich hinsetzen wollen, so etwas hätte es damals nicht gegeben!".
Außerdem ist es wesentlich auf falschen Aussagen zu beharren und Korrekturen dieser Aussagen schlicht zu ignorieren, da man darin die Gefahr einer Hemmung des Redepotenzials sieht.
Wenn der Zwangszuhörer also auf die Frage "aber mal ehrlich, die Zweehunnertfufftscher hatte doch nen anderen Tank, da haste doch was gemacht" mit einer Erklärung der unterschiedlichen Typenreihen des MZ-Werkes antwortet, muss selbige Antwort im Keim erstickt werden mit Unterbrechungen der Art "NEENEE die MZ, Zweihunnertfuffziger von MZ! Mein Bruder hatte die Zweihunnertfuffziger! Da hab' ich mir mal ganz böse das Bein am Auspuff verbrannt! Und beim Ankicken hab' ich mir fast das Bein gebrochen!". Der Logopath in seinem Element des Wortschwalls ist an diesem Punkt nicht mehr empfänglich für Differenzierungen zwischen ES, TS und ETZ-Typenreihen mit gleichem Hubraum, die Verarbeitung über das Gehör eindringender Informationen ist gänzlich ausgesetzt. Es manifestiert sich eine temporäre auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung.


:pipe
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Re: Logorrhoe Einordnung nach ICD-10

Beitragvon rooster » So 19. Feb 2017, 23:34

Wenn das so ist, könnte man denen doch den Führerschein abnehmen? Zumindest MPU!

Übrigens gibt es auch noch logomane Ehepaare. Eine gar nicht so selten anzutreffende Spezies nach dem Motto: "Helmut, erzähl du mal weiter!" In jahrelang ausgefeilten Scheindialogen wirft uns das Probandenehepaar lustige Anekdoten aus der Zeit ihres Kennenlernens vor den Kopf.

Nicht zu verwechseln mit co-abhängigen Ehepartnern, die aus lauter Verzweiflung ihrem logomanen Gegenstück die Gesprächsbälle zuwerfen.

Alter Verwalter, es gibt viele Gründe, zu Hause zu bleiben.
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Re: Logorrhoe Einordnung nach ICD-10

Beitragvon trabant » Mo 20. Feb 2017, 02:24

Abhilfe schafft auch der Eintritt in ein schweigekloster. nicht ganz so befriedigend aber immerhin eine Möglichkeit ist ein Job als Hausmeister in einer Gehörlosenschule.
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Re: Logorrhoe Einordnung nach ICD-10

Beitragvon gouranga » Mo 20. Feb 2017, 10:54

trabant hat geschrieben:Möglichkeit ist ein Job als Hausmeister in einer Gehörlosenschule.


Das reinste Paradies für den Logorrhoetiker der seinen Drang ungehindert ausleben will. Geeignet wäre auch Hardwaretester für Mikrophone oder Megaphone, Marktschreier, etc.
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Re: Logorrhoe Einordnung nach ICD-10

Beitragvon Dieter » Mo 20. Feb 2017, 13:55

Oder einfach Lehrer... Die dürfen auch. :mrgreen:

Gruß
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Beitragvon rooster » So 22. Dez 2019, 19:45

Während es vor 2 Jahren noch relativ wenig zu lesen war, hab ich heute einen schönen Text über diese schreckliche Geißel der Menschheit gelesen, die ich euch nicht vorenthalten will.
Insbesondere bei einem Abschnitt musste ich laut lachen, konnte ich doch endlich meinen langjährigen Bekannten einordnen. Schimpfen, unangebrachte Lautstärke, Alkohol, ständige Wiederholungen, abrupte Themenwechsel, mangelnde Krankheitseinsicht ...mannomann, der hat' nicht leicht! Zu normaler Kommunikation kaum mehr fähig!
Aber seht selbst:
https://medlexi.de/Logorrhoe
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Re: Logorrhoe Einordnung nach ICD-10

Beitragvon trabant » Mo 23. Dez 2019, 00:33

Du wirst in dem Spezialgebiet echt noch ein herausragender Diagnostiker.
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Re: Logorrhoe Einordnung nach ICD-10

Beitragvon rooster » Mo 23. Dez 2019, 12:48

Heiler wäre besser.
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